Gesundheitswesen oder Gesundheitswirtschaft?

Mehr Gesundheit bei weniger Kosten – ein ethischer Grundsatz, für dessen Realisierung das Profitprinzip nicht taugt

Nahezu unbemerkt ist während der letzten Jahrzehnte im Gebrauch des deutschen Sprachschatzes mancherorts das zusammengesetzte Wort Gesundheitswesen durch das der Gesundheitswirtschaft ersetzt worden. Reiner Zufall? Oder vielleicht doch fortschrittsbedingte Notwendigkeit?

Beides wäre fatal. Denn hinter der alternativen Fragestellung „Gesundheitswesen oder Gesundheitswirtschaft“ verbirgt sich für alle, die mehr oder minder hautnah beruflich etwas mit Krankheitsbewältigung und/oder Heilungsförderung zu tun haben, die ein wenig abgeänderte „Gretchenfrage“: Sag, wie hältst Du‘s mit der Ethik? Und sofern man wirklich ehrlich gegenüber sich selbst sein wollte, müsste man längst bemerkt haben, dass man durch die ökonomischen Verhältnisse, unter denen man auch in der heutigen Zeit nun mal eben den Heilberuf ausüben darf, immer öfter dazu angestiftet wird (und sich auch daran gewöhnt), auch dem goldenen Kalb zu huldigen. Das Regelwerk, unter dessen Räder man auch als Arzt spätestens mit der Approbation kommt, wird bekanntlich überall auch mit Geld geschmiert. Man kann das bedauern oder nicht, es würde ohne dieses Gleitmittel bald nicht mehr funktionieren. Brutal gesagt: Die Religion des Geldes ist heute de facto unangefochten die eigentliche Weltreligion. Da unterscheiden sich die Nationen vermutlich nicht sehr voneinander. Wer würde es wohl gern zugeben? Es sei denn, man ist sich der Unaufmerksamkeit seiner Bevölkerung derart sicher, dass man der Sprache unbekümmert ihrer Rolle nachkommen lässt, das Wesen der Dinge und des Verhaltens möglichst aktuell und präzise wiederzugeben.

Aus diesem Grunde ist es offensichtlich passiert, dass man in Deutschland, wie schon angedeutet, die seit jeher nicht gerade unkomplizierte „Heil-Hilfe-Maschinerie“ – ganz ohne jede offizielle Verkündung – von Gesundheitswesen in Gesundheitswirtschaft umgetauft hat. Die Krankheit (anderer) mag sich jetzt auch ganz offiziell ökonomisch lohnen. Krankenhäuser z. B. (und schon so manche Arztpraxis) sind eben vor allem Unternehmen, die bei Strafe des Untergangs Gewinn abwerfen müssen. Wenn sie dies nicht tun, flieht eben das Kapital, dieses „scheue Reh“. Dann heißt es: Aus der Traum – für die einen der Traum von den Dividenden bzw. üppigen Einnahmen, für die anderen die Hoffnung auf ein Vielleicht-gesund-Werden. Aber Bange machen gilt ja bekanntlich nicht. Also wird man erfinderisch und unterwirft die eigentlich ein ethisches Gebot befolgende Hilfe für Lazarus dem ökonomischen Imperativ eines permanenten Wachstums, welches sich bekanntlich wenig weise darauf verlässt, dass unser Planet vielleicht doch unerschöpflich und unvergiftbar ist. Auf der ganz offiziellen Website des deutschen Bundesministeriums für Gesundheit ist deshalb zu lesen, dass die Gesundheitswirtschaft eine Wachstumsbranche auf Expansionskurs ist. Kann man es ihr deshalb verdenken, dass sie – ganz wachstumsorientiert – wenn schon nicht sichtbar froh, so doch innerlich zufriedener wird, je kränker wir sind, je mehr Hüftgelenke beispielsweise es metallisch zu ersetzen gilt oder je mehr Eisenmangelfrauen man unbehandelt leiden lässt?

Um von diesen absichtlich durchaus bös gemeinten Höhen der Ironie herunterzukommen, möchte ich ehrlichen Herzens konstatieren, dass sich ganz sicherlich die überwiegende Mehrheit der Ärzteschaft und aller anderen Heilberufe in diesem leider fast vollständig ökonomisierten Gesundheitswesen keinesfalls wohlfühlt und – freilich auch im Rahmen der existenziellen Möglichkeiten – nach Wegen sucht, dem in der Unterüberschrift festgehaltenen Grundsatz auch unter heutigen Bedingungen zum Durchbruch zu verhelfen: Mehr Gesundheit bei weniger Kosten!

Zu diesen Bemühungen gehören nicht an letzter Stelle die recht erfolgreichen Versuche, ein völlig unnötiges Leiden von nicht wenigen Kranken – vor allem von Frauen im gebärfähigen Alter – dadurch in den Griff zu bekommen, dass man, jedenfalls für mindestens 65 Prozent aller Fälle, die wahren Ursachen im anhaltenden Defizit an einem lebenswichtigen Element, nämlich dem Eisen, erkannte und diesen Mangel durch eine gesicherte Substitution abstellt. Und das bei einem im Effekt wesentlich abgesenkten Kostenaufwand. Dies ist auf alle Fälle die dokumentierte Erfahrung der inzwischen über 100 Ärztlichen Eisenzentren in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Moskau.

Wie aber kommt es, dass dieser augenscheinliche Therapie-Fortschritt, der ja eigentlich – nach den entsprechenden Entdeckungen von 1957 (Innsbruck) und 1971 (Berlin) – längst Leitlinie hätte sein müssen, noch immer Leute mit erhobenem Zeigefinger dagegen auftreten lässt? Man könnte ja – „good will“ einmal vorausgesetzt – annehmen, sie vermuteten auch hier die berühmt-berüchtigten Krankheitserfinder, denen man rechtzeitig in den Arm fallen muss. Die Eisenärzte wären bestimmt auf dieser Seite der Barrikade. Indes würde es die Tatsachen genau ins Gegenteil verkehren. Da aber die Gesellschaft ein Recht darauf hat zu erfahren, ob hier Profitmotive tatsächlich eine Rolle spielen, sollte vor aller Öffentlichkeit einmal addiert werden, welche Kosten in der Regel nachgewiesenermaßen durch die monate- ja mitunter jahrelange Falschbehandlung von Eisenmangelpatienten angefallen sind und noch immer anfallen, bevor man vielleicht endlich die Notwendigkeit einsieht, das bei den betroffenen Frauen durch die Menstruation monatlich verlorene Eisen wieder zu ersetzen. Man könnte den stillen Vorwurf der Krankheitserfindung noch tolerieren, wenn es nicht sowohl Studien dazu gegeben hätte als auch vor allem die langjährigen Erfahrungen der Swiss Iron Health Organisation SIHO, welche jederzeit bereit sind, der kritischen Öffentlichkeit nicht nur ihre medizinischen Daten, sondern auch die im Sinne der Bewahrung von Volksvermögen ökonomischen Kalkulationen auf den Tisch zu legen.

Zur Ehre unseres kleinen Landes muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass die Schweiz in dieser Hinsicht politisch doch etwas „anders tickt“. Sie ist gewissermaßen schon weiter. Abgesehen davon, dass wir uns den völlig falsch orientierenden Terminus der Gesundheitswirtschaft, bislang jedenfalls, nicht zu Eigen gemacht haben, bewahren wir uns als Gesellschaft noch immer sehr engagiert die Errungenschaft eines ziemlich sozialen Gesundheitswesens. Das Credo „Gesündere Menschen für geringere Kosten!“ ist freilich nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Deshalb begrüßt es die SIHO, dass die dafür verantwortlichen Regierungsstellen sich mit allen relevanten Aspekten der in den Ärztlichen Eisenzentren erfolgreich angewandten Substitutionstherapie befassen werden. Das Schweizer Gesundheitswesen handelt damit im Grunde nach unserer Eisenresolution. Dies ganz im Sinne des großen Mediziners Rudolf Virchow, der im Jahre 1848 den überlegenswerten Satz prägte: „Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“

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