Ein neues Eisenzeitalter? Ironisches und Tatsächliches.

Was es mit dem „neuen Eisenzeitalter“ auf sich hat

Ironie steht bekanntlich nicht unter Strafe. Dies gilt selbstverständlich auch für die schon 2010 von der Basler Zeitung gestellte und auf die verstärkten Bemühungen der Ärztlichen Eisenzentren gemünzte Frage, ob in der Schweiz wohl ein neues Eisenzeitalter angebrochen sei. Noch fünf Jahre später unkte dann 2015 auch der Tagesanzeiger mit der sinnigen Bemerkung, Eisenmangel sei zwar nicht ansteckend, doch er grassiere. Damit zielte er offenbar auch auf die wachsende Verbreitung der Erkenntnisse über das Eisenmangelsyndrom, die vielleicht irgendjemandem gar nicht Recht sind.

Genug jedoch vom Ironischen! Denn die Tatsachen, die jenen ertappten Spöttern offenbar nicht gefallen, sind viel wichtiger. Eisenmangel grassiert zwar nicht, aber er existiert offenbar länger, als wir glauben. Und er hat sehr negative Folgen – sowohl für die Gesundheit einer gar nicht so verschwindend geringen Bevölkerungsgruppe, als auch für die Finanzen unseres Gesundheitswesens. Das wurde lange nicht so gesehen, und wenn später doch, dann wurde es lieber ignoriert. Für manche war es noch nicht einmal von Interesse, dass die WHO seit Jahrzehnten bei über einem Drittel der Menschheit ein solch bedenkliches Defizit erkennt.

Was in der Schweiz zum Glück tatsächlich zu „grassieren“ beginnt, und zwar unter der Ärzteschaft wie unter Betroffenen, das ist die Erkenntnis von der Bedeutung eines bei einer bestimmten Population für eine bestimmte Zeit (nämlich bei einem Teil der Frauen im gebärfähigen Alter) sich mitunter quälend bemerkbar machenden Eisendefizits. Was nun gleichermaßen „um sich greift“ (wie das Fremdwörterbuch obigen Terminus verdeutscht), ist, Gott sei Dank, auch das Wissen um eine mit nachgewiesen hohem Prozentsatz wirksame und noch dazu kostensparende Therapie. Durschnittlich braucht nämlich eine Schweizer Eisenmangelpatientin lediglich ein direkt in eine Vene verabreichtes Federgewicht von nur 930 Milligramm Eisen, um beschwerdefrei zu werden und dies bei zwar regelmäßiger, aber doch moderater Wiederholung auch zu bleiben. Aus Sicht jener Frauen, die infolge des menstruationsbedingten Blut- und damit Eisenverlusts – schon lange vor einer ebenso möglichen Anämie! – unter einer ganzen Anzahl von Symptomen leiden, entpuppt sich also dieses Federgewicht sehr bald schon als therapeutisches Schwergewicht. Denn diese Eisengabe, die im wahrsten Sinne des Wortes eine „Rückgabe“ ist, ermöglicht gleichsam elegant nicht nur eine Selbstheilung dieser Patientinnen, sondern auch eine rigorose Abkürzung oder sogar Vermeidung zahlreicher nutzloser und überdies teurer Ärzte-Odysseen. Wer hätte wohl etwas dagegen, dass diese Möglichkeiten für Genesung beginnen zu „grassieren“? Ironisches ist da sicherlich weniger gefragt als Tatsächliches.

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