Brauchen Frauen gleich viel Eisen wie Männer?

Ein wichtiges Stück Realität

Brauchen Frauen wirklich so viel Eisen im Blut und in ihrem Körper wie die Männer? Ja, sagt eindeutig die in der Schweiz ansässige Swiss Iron Health Organisation (SIHO) schon seit fast einem Jahrzehnt. Sie konnte längst nachweisen, dass Frauen in der Regel das gleiche Maß an diesem wichtigen Element in ihrem Körper benötigen wie ihre männlichen Mitmenschen. Erreichen bzw. halten sie diesen Gleichstand jedoch nicht, dann kommt es in vielen Fällen zu sehr unangenehmen Mangelerscheinungen – eine sehr spezielle Art der Gleichberechtigung, besser: der Gleichverpflichtung. Weibliche Körperorgane wie Gehirn, Herz, Nieren, ja selbst die Drüsen haben nämlich dieselben Anforderungen an das Versorgungssystem des Organismus wie die ihrer maskulinen „Kollegen“. Diese entscheidende Erkenntnis gilt besonders auch für die zelluläre Ebene. So benötigen die Mitochondrien, die darin leben – jene in der Evolution schon sehr früh uns zugekommenen kleinen, aber effektiven Kraftwerke in unseren Zellen –, lebenslang auch hinreichend Eisen, um ihre Aufgabe der Energiegewinnung ohne Engpässe erfüllen zu können. Wird im Körper dieses Element rar, dann können erfahrungsgemäß alle möglichen pathologischen Zustände auftreten, von „einfacher“ Erschöpfung bis hin zum handfesten Burnout, aber auch zu anderen Mangelkrankheiten.

Wie jedoch kommt es dann, dass Frauen, zumindest mit Beginn der Pubertät, eine durchschnittlich zehnmal niedrigere Eisenkonzentration in ihrem Organismus aufweisen als Männer und deshalb immer wieder in bedenklich krankhafte Zustände geraten können, die – eben inzwischen in der Schweiz medizinisch nachgewiesen – einem menstruellen Eisenmangel geschuldet sind?

Lange Zeit ist schon allgemein bekannt, dass – bei Männern wie bei Frauen – nach einem sehr starken oder lang anhaltendem Blutverlust, z. B. nach einem schweren Unfall oder einer komplizierten Operation, ein mehr oder minder starker Eisenverlust zu beobachten ist. Er wird entsprechend der gängigen ärztlichen Praxis stets möglichst bald mit entsprechender Substitution ausgeglichen. Außer Acht gelassen in der Heilkunst wurde indes bisher die Tatsache, dass sich Frauen im gebärfähigen Alter quasi im Mondrhythmus immer wieder regelmäßig in einen solchen Eisenmangel regelrecht „hineinbluten“. Warum die Natur dies im Verlaufe der Zivilisation des Homo sapiens zugelassen und offenbar in vielen Fällen nicht ausgeglichen hat, bleibt noch reichlich im Dunkeln und bedarf der weiteren Forschung. Viele Frauen verkraften zwar dieses aus dem monatlichen „Aderlass“ resultierende Eisendefizit durchaus, nicht gerade wenige jedoch „bezahlen“ es auf unterschiedliche Weise und in ungleichem Grade mit unangenehmen, ja oft quälenden Krankheitssymptomen. Bis vor etlichen Jahren standen sowohl die davon betroffenen Frauen als auch die Ärzte, die ihnen helfen wollten, diesem Phänomen mehr oder minder machtlos gegenüber, was oft zu Falschbehandlungen und zur Verzweiflung der betroffenen Patientinnen führte.

Eine Gruppe Schweizer Ärzte begann vor mehr als einem Jahrzehnt aufgrund von zu Unrecht vergessenen und zunächst in Basel wiederentdeckten Erkenntnissen deutscher, österreichischer und russischer Medizinforscher dem Phänomen des vor allem menstruationsbedingten weiblichen Eisenmangels mit der gezielten Substitution des immer wieder defizitären Elements gegenzusteuern. Und dies mit Erfolg! Einige Jahre standen diese sogenannten Eisenärzte mit ihren Erkenntnissen und ihren Therapieergebnissen gleichsam etwas „allein auf weiter Flur“. Dies, obwohl sich auch in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, Österreich und Russland, Mediziner dafür interessieren und aufgrund der Schweizer Erfahrungen entsprechend zu therapieren begannen.

2015 weckte diese von vielen betroffenen Frauen begrüßte Entwicklung auch die Aufmerksamkeit und das ernsthafte Interesse der Schweizer Regierung sowie der gesetzlichen Krankenkassen hierzulande. Es hatte sich nämlich mehr als nur herumgesprochen, dass jene Frauen, denen das von ihnen während der Menstruationen unfreiwillig und mit Krankheits-Folgen „gespendete“ Eisen in genau abgewogenen Abständen regelmäßig wieder zugeführt wurde, in den meisten Fällen (jedenfalls mit signifikant hoher Wahrscheinlichkeit!) wieder gesund wurden und das auch blieben. Ein Effekt, der nicht nur – was allein schon völlig ausreichend wäre – das Befinden von vielen unserer weiblichen Mitbürger verbesserte, sondern auch „unterm Strich“ für die finanzielle Sicherung des Gesundheitsschutzes eindeutig von ökonomischem Vorteil ist.

Immer mehr Schweizer Ärzte haben schon Tausende von an Eisenmangel leidende Frauen in der großen Mehrheit der Fälle von ihren auf Eisenmangel beruhenden Beschwerden befreit, indem sie ihnen dieses aufgrund der Menstruationsfolgen fehlende Element intravenös wieder zuführten. Auch die meisten Schweizer Spitäler und Universitätskliniken setzen mittlerweile diese wichtige Erkenntnis (Iron Perception) um und geben (den dessen bedürftigen) Frauen die notwendigen Infusionen.

Grundlage für diese Praxis sind die strengen Grundsätze der Evidence Based Medicine. Anhand der seit 2005 multizentrisch gewonnenen, streng analysierten und für alle zugänglich dokumentierten Daten über den Zusammenhang zwischen Eisenkonzentration (Ferritinwert) und Gesundheitszustand von Frauen im Menstruationsalter kann die SIHO inzwischen eindeutige Aussagen über Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffizienz von intravenösen Eisenbehandlungen machen (www.eurofer.ch). Die Zahl weiterer wissenschaftlicher Studien war zwar bisher relativ gering. Zwingend bestätigen aber auch diese Untersuchungen die Sinnhaftigkeit, ja Notwendigkeit, den von den pathologischen Auswirkungen des Mangels betroffenen Frauen das fehlende Eisen zurückzugeben. Dieses Vorgehen ist nicht nur menschlich geboten, sondern in gewissem Sinne auch sozial gerecht. Immerhin sollten die Frauen nicht dafür bestraft werden, dass sie im Gegensatz zum Tier gleichsam nach dem Taktstock des Mondes – letztlich zur gesellschaftserhaltenden Reproduktion! – aus, wie gesagt, noch nicht erforschten „Beweggründen“ der Natur Schleimhaut ihrer Gebärmutter, folglich nicht wenig Blut und damit in erheblichen Maße auch Eisen verlieren müssen.

Die Schweiz ist jedoch nicht das erste Land, das auf diesen Zusammenhang und die daraus abgeleitete Idee kam, dass Frauen, die an meist menstruationsbedingten Eisenmangelkrankheiten leiden, mit entsprechenden Substitutionen geheilt werden können. Wie schon kurz erwähnt, wurde bereits 1957 in Innsbruck (Österreich) erstmals darauf hingewiesen. Und die Berliner Charité Universitätsmedizin hat in Deutschland diese Beobachtung 1971 noch einmal bestätigt und sogar ein Lehrbuch darüber herausgebracht. Warum sich beide streng wissenschaftlich geleiteten Kliniken jedoch damit nicht durchsetzen konnten, mag eigene Gründe haben. Fest steht jedenfalls, dass deshalb über vierzig Jahre Millionen von Eisenmangelfrauen unnötig an diesem ihrem Defizit leiden mussten – und das völlig unnötig! –, bis das Eisenmangelsyndrom 1998 in Basel wiederentdeckt wurde. Die Schweiz hat auf diese Weise nachgeholt, was Deutschland damals versäumte – vielleicht ein gutes Stück angewandter Demokratie.

Unser kleines Alpenland verfügt über ein spezielles Insiderwissen, das es gern mit der Welt teilen möchte. Mit ihm könnten nämlich Millionen von Frauen geheilt werden – und zwar auf sehr sanfte und, wie schon gesagt, effiziente Weise.

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